Belle and Sebastian | Berlin

Einlass: 18:30 // Beginn: 19:30

Seit zwei Jahrzehnten gilt das britische Kollektiv Belle and Sebastian als Synonym für hymnischen, handgemachten Indie-Pop mit Tiefe und Bedeutung. Ursprünglich von Bandleader Stuart Murdoch als ein soziales Projekt gegründet, wuchs der internationale Erfolg dieses so

behutsam wie mitreißend musizierenden Septetts kontinuierlich. Seine Alben gehören in ganz Europa, aber auch in Australien und den USA zu den regelmäßigen Chart-Stürmern. Dies galt auch für das bislang letzte, neunte Werk „Girls In Peacetime Want To Dance“, das in England auf Platz 9 und in vielen weiteren Ländern in die Top 30 stieg, darunter auch in Deutschland und den USA. Nun kündigte das Künstlerkollektiv rund um die Veröffentlichung von drei neuen, zwischen Oktober und Januar im Monatsrhythmus erscheinenden EPs eine Tournee für Anfang 2018 an, in deren Rahmen sie zwischen dem 16. und 18. Februar auch drei Deutschland-Konzerte in München, Berlin und Frankfurt spielen werden.

Belle and Sebastian sind in jeder Beziehung außergewöhnlich. Die Band war nie auf Hits oder Erfolg konzipiert und ist trotzdem seit Erscheinen ihres Debüts „Tigermilk“, 1996, Dauergast in den Charts. 13 ihrer Single-Auskopplungen charteten in England, sechs stießen in die Top 30 vor. Dabei ging es Bandgründer Stuart Murdoch nie um Breitenerfolg. Im Gegenteil, bis zu ihrem sechsten Album „Dear Catastrophe Waitress“ von 2003 verweigerten sie sich konsequent der Öffentlichkeit, gaben so gut wie keine Interviews und ließen sich nur ungern zu TV-Sendungen oder auf große Festivals einladen. Umso direkter verdeutlichten sie ihre künstlerische Ausnahmestellung innerhalb der Independent-Szene, bei der es immer stärker um klangliche Authentizität und lyrische Bedeutungstiefe ging.

Der Grund für diese Haltung hat eine simple Erklärung: Murdoch gründete Belle and Sebastian als soziales Projekt für Arbeitslose in seiner Heimatstadt Glasgow. Er wollte junge Menschen von der Straße holen und ihnen eine Aufgabe geben. Da er zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Songs geschrieben hatte, erschienen im ersten Jahr nach Gründung zwei Alben und zwei EPs, die unmittelbar erste Erfolge einbrachten. Bis zum fünften Album „Storytelling“ von 2002 machten sie angefangen bei den Aufnahmen über die Produktion bis zum Cover-Artwork alles selbst.

Mit „Dear Catastrophe Waitress“ änderte sich dieser Ansatz. Ihre Musik, bis dahin eine Mischung aus Kammerpop, Folkmusik und akustisch barocker Instrumentierung, wurde von Pop-Produzent Trevor Horn mit Opulenz und raumgreifenden Arrangements gefüllt. Seither arbeiten Sänger und Gitarrist Stuart Murdoch, Stevie Jackson (Gitarre), Chris Geddes (Keyboard), Sarah Martin (Keyboards, Violine, Querflöte), Dave McGowan (Bass, Gitarre), Bobby Kildea (Gitarre, Bass) und Richard Colburn (Drums) bei jedem neuen Album mit einem anderen Produzenten zusammen. Für das bislang letzte Album „Girls In Peacetime Want To Dance“ entschied sich die Band für Ben H. Allen III., der mit seiner Arbeit für u.a. Bombay Bicycle Club, Fanfarlo, Animal Collective oder Deerhunter schon bewies, dass er ein feines Gespür für außergewöhnliche Indie-Musik besitzt.

Zwei Dinge bleiben dabei konstant: Zum einen Murdochs hinreißende Kurzgeschichten über Verlierer und Teenager auf der Suche nach einer Bestimmung, die er zu lyrischen Songtexten formt und damit vielen jungen Hörern Halt und Perspektiven gibt. Zum anderen die zauberhaften, betont schlichten Kompositionen, deren Größe sich erst nach und nach entfaltet. Dafür bleiben ihre Melodien, hat man sie erst einmal für sich entdeckt, ein Leben lang. Es ist die perfekte Musik, um die Schönheit im Alltäglichen zu erkennen. Wie sehr dies für die moderne Popkultur im Allgemeinen zutrifft, zeigte sich 2014, als man Belle and Sebastian bei den NME Awards den Sonderpreis „Outstanding Contribution To Music“ verlieh.

Nun reüssiert die Band erstmals nicht mit einem neuen Album, sondern mit drei EPs, die ab Ende Oktober im Monatsrhythmus erscheinen sollen und inhaltlich sowie konzeptionell ein Gesamtwerk ergeben. Genaueres über Inhalt und Ausrichtung dieser EPs ist bislang noch nicht bekannt.

Bild: © Live Nation

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Friedrichstraße 101, 10117
Berlin
17 Februar , Samstag 18:30

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